Vorhandene ZPL-Druckdaten richtig prüfen
Viele Unternehmen erzeugen Etiketten direkt aus ERP-, SAP-, WMS-
oder MES-Systemen. Die Anwendung sendet dabei ZPL-Druckdaten an den
Drucker. Bei einem Druckerwechsel stellt sich deshalb die praktische
Frage: Können die vorhandenen Etiketten weiter genutzt werden, oder
müssen sie vollständig neu erstellt werden?
Der Brady Skript-Emulator für ZPL verarbeitet unterstützte ZPL-Druckdaten und erstellt daraus einen Druckauftrag für einen kompatiblen Brady-Drucker. Die Datenquelle kann dabei unverändert bleiben: Das vorhandene System erzeugt weiterhin den ZPL-Druckauftrag.
Damit ist der Emulator keine Etikettensoftware und ersetzt keine fachliche Prüfung der vorhandenen Druckdaten. Er ist eine Schnittstelle zwischen einem ZPL-basierten Druckprozess und einem kompatiblen Brady-Drucker. Der entscheidende Nutzen liegt darin, bestehende Abläufe nicht automatisch neu programmieren zu müssen.
ZPL ist eine eingetragene Marke der Zebra Technologies Corporation. Brady ist nicht mit Zebra Technologies Corporation verbunden. Für die technische Umstellung sind daher die tatsächlich verwendeten ZPL-Befehle, der gewünschte Brady-Drucker und das Etikettenmaterial gemeinsam zu prüfen.
Wann ist ZPL-Emulation die richtige Lösung?
ZPL-Emulation ist sinnvoll, wenn eine vorhandene Anwendung bereits ZPL-Dateien ausgibt und diese Druckdaten weiter verwendet werden sollen. Typische Beispiele sind Produkt- und Bauteilkennzeichnungen, Lager- und Versandetiketten, Barcode- und Seriennummernetiketten sowie automatisierte Kennzeichnungen aus ERP-, SAP-, WMS- oder MES-Systemen.
Vor der Auswahl ist zuerst das Druckermodell zu prüfen. Beim Brady Drucker i4311, i6100, i7100 und i7500 ist die ZPL-Emulation bereits im Drucker integriert. Für diese Modelle wird kein zusätzlicher externer Brady Skript-Emulator für ZPL benötigt.
Bei kompatiblen Druckern ohne integrierte ZPL-Emulation kann der externe Brady Skript-Emulator für ZPL, M-SCRIPT-ADAPT-INT eingesetzt werden. Er wird mit dem Datenanschluss des Druckers verbunden und benötigt eine eigene Stromversorgung. Die Verbindung zum Netzwerk erfolgt über Ethernet.
Für die Konfiguration steht ein eingebetteter Webserver zur Verfügung. Die IP-Adresse lässt sich über ein NFC-fähiges Smartphone oder über einen USB-Stick und einen Computer im selben Netzwerk ermitteln. Für den Betrieb des externen Emulators ist kein Druckertreiber erforderlich. Dateien aus Brady Workstation werden jedoch nicht vom Emulator verarbeitet.
Nicht jeder Brady-Drucker ist mit dem externen Emulator kompatibel. Deshalb sollten vor einer Bestellung immer das gewünschte Druckermodell und die aktuelle Kompatibilitätsliste geprüft werden. Bei RFID- Anwendungen ist zusätzlich zu prüfen, welche ZPL-RFID-Befehle vom vorgesehenen Drucker oder Emulator unterstützt werden.
Drucker, DPI und ZPL-Befehle vorab prüfen
ZPL-Kompatibilität bedeutet nicht, dass jedes vorhandene Etikett ohne Prüfung exakt gleich ausgegeben wird. Der Emulator beziehungsweise der Drucker verarbeitet nur unterstützte ZPL-Befehle. Nicht unterstützte Befehle werden ignoriert und können deshalb zu einem abweichenden Druckbild oder unvollständigen Inhalten führen.
Besondere Aufmerksamkeit benötigen vorhandene Schriften, Grafiken und gespeicherte ZPL-Formate. Für ZPL-Schriften werden Brady-Schriften verwendet. Grafiken, Schriften und Vorlagen, die ein ZPL-Skript benötigt, müssen beim externen Emulator dort gespeichert werden. Deshalb ist ein Test mit der tatsächlichen Druckdatei erforderlich.
Auch die Druckauflösung muss bekannt sein. ZPL-Skripte werden für einen bestimmten DPI-Wert erstellt. Beim externen Emulator wird der DPI-Wert des vorhandenen Skripts in den ZPL-Einstellungen hinterlegt. Der Emulator passt die Positionierung an die Auflösung des angeschlossenen Druckers an.
Diese Anpassung ist besonders zuverlässig, wenn die DPI-Werte ohne Rest ineinander teilbar sind: Von 200 auf 600 dpi ist beispielsweise eine ganzzahlige Umrechnung möglich. Bei 200 auf 300 dpi entsteht dagegen ein Verhältnis von 1,5. In solchen Fällen können Positionen oder Abstände abweichen und müssen auf dem tatsächlichen Etikett kontrolliert werden.
Für die Umstellung empfiehlt sich dieser Ablauf:
- Vorhandene ZPL-Dateien und die erzeugende Anwendung erfassen
- Quell-DPI, Etikettengröße, Barcodeart und Druckmenge festhalten
- Kompatiblen Brady-Drucker und passendes Material auswählen
- Prüfen, ob ZPL bereits integriert ist oder ein Emulator nötig ist
- Ein Testetikett mit Originaldaten und Originalmaterial drucken
- Positionen, Schriften, Grafiken, Barcodes und Lesbarkeit prüfen
- Erst danach den Druckprozess produktiv freigeben
Der Test sollte nicht nur am Bildschirm erfolgen. Maßgeblich sind das gedruckte Etikett, die Barcode-Lesbarkeit und die Haltbarkeit auf dem vorgesehenen Material. So werden Unterschiede bei Auflösung, Etikettenvorschub und Druckposition vor dem produktiven Einsatz erkannt.
Fazit
ZPL-Emulation ermöglicht es, vorhandene ZPL-basierte Druckprozesse mit kompatiblen Brady-Druckern weiterzuführen. Sie ist besonders sinnvoll, wenn ERP-, SAP-, WMS- oder MES-Systeme bereits ZPL-Druckdaten erzeugen und diese Schnittstelle bestehen bleiben soll.
Entscheidend sind das richtige Druckermodell, die Unterstützung der verwendeten ZPL-Befehle und die korrekte DPI-Einstellung. Beim i4311, i6100, i7100 und i7500 ist die ZPL-Emulation bereits integriert. Bei anderen kompatiblen Modellen kann der externe Skript-Emulator erforderlich sein. Ein Praxistest mit Originaldaten und dem vorgesehenen Material gehört immer zur sicheren Umstellung.
Weitere Informationen zu Brady Druckern
und Etiketten:
Brady ZPL-Emulator
Brady Etikettendrucker